Schulbuch-Illustration gestern + heute

Zu Schuljahresbeginn in Bayern sind die Spezialabteilungen der grossen Buchhandlungen voll von aktuellen Schulbüchern. Gestern hab ich in einigen geblättert. Die Bezugnahme bei den Inhalten und auch bei den Illustrationen zur Realität klafft bei den Deutsch-Büchern immer weiter auseinander. Zumindest war das mein gestriger Eindruck und ich kann mich da auch täuschen, eh klar. Aber da tummelten sich Zauberlehrlinge und Tierfiguren mit reichlich abstrakten Sätzen zur Grammatikschulung, ohne Bezug zur Lebenswirklichkeit.

1956 sah das noch ganz anders aus. Hier eine Doppelseite aus ‚Deutsches Sprachbuch – 2. Teil – 3. und 4. Schuljahr‘ erschienen im Gemeinschaftsverlag Ehrenwirth, Kösel & Oldenbourg, 5. Auflage.
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Deutsches-Sprachbuch-1956_Ehrenwirt_Koesel_Oldenbourg

Da wurde Lebensrealität abgebildet. Neben der Grammatik lernte man als Kind dass die Katze die Maus tötet, woher die Wolle kommt, wie sie benutzt wird, wie Schweine gemästet, geschlachtet werden usw. usf.

Findet heute in den Büchern alles nicht mehr statt. Schon bei meiner Einschulung 1964 hatten wir Bücher die hauptsächlich kindlichen Spielalltag abbildeten. Zwar noch nahe genug an der Realität, gezeichnet mit Kinderfiguren, aber auch nicht mehr in die Tiefe gehend. Da wurden auch keine Messer mehr gewetzt oder Därme gewaschen. Das habe ich zu Hause von den Eltern gelernt.

Ich behaupte jetzt einfach mal, die Deutsch-Bücher sind die letzten Jahrzehnte eigentlich lebensfremd geworden.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Schulbuch-Illustration gestern + heute

  1. 1956 wurde ich eingeschult. Das Schulbuch lag mir da also noch nicht vor.
    Wir schrieben mit Griffel auf Schiefertafeln. An der Tafel hing ein Schwämmchen und koa Schwammerl.
    Schweineschlachten kannten wir von den Hausschlachtungen; nicht das Töten selbst, aber das Ausnehmen und Zerteilen.
    Am Schlachttag gab es immer eine Grützsuppe. Ich aß sie sehr gerne, viele Kinder ekelten sich jedoch vor ihr. So gab es für mich immer reichlich.
    Dafür passte ich später, wenn der Schweinskopf als Sülze serviert wurde.

  2. frühreif wurde ich mit 5 jahren eingeschult, kenne auch tafel und schwamm. an mein erstes schulbuch erinnere ich mich nicht, bestimmt hat mein bruder (1jahr jünger) es beansprucht, er war stärker.
    aber, die realität gab es tagtäglich und sehr spät haben meine erziehungsberechtigten begriffen warum ich panische angst vor dem arzt hatte, der typ trug den gleichen kittel wie der schlachter!
    heute kommt etwas im TV zur bewusstseinserweiterung:
    artgerechte hühnerhaltung im II. programm!
    ich weiss, die kühe sind lila, braune kühe geben kakao, fleisch gibt es bei edeka grammweise usw…
    schulbücher sind und waren bei den richtigen beziehungen ein gutes geschäft, mein vater hatte eine ausgeprägte meinung dazu (ähnlich deiner).
    es hat sich vieles verändert – nicht immer zum guten!
    herzliche grüsse aus dem bildungsfernen *Pisa-Norden 😉 *.

    • Mir geht es ehrlich nicht darum Angst zu machen, sondern um einen Bezug zur Realität herzustellen. Das heute vieles über TV läuft stimmt schon, aber bewegte Bilder ersetzen m.M.n. nicht die Konzentration auf statisches Bildmaterial.
      Na ja, ein weites Feld über das man da diskutieren kann.
      LG
      G.