100 Jahre 1. Weltkrieg

Zur Erinnerung an Joszef Somogyi, meinen ungarischen Grossonkel, den älteren Bruder meiner Grossmutter.
1916 ist er als K.u.K.-Soldat für Österreich-Ungarn auf irgend einem der Abschlachtfelder erschossen worden.

Meine Oma erzählte immer nur Positives über ihn. Ihr liebstes Erinnerungsstück an Joska war seine letzte Feldpostkarte. Seit dem Tod meines Vaters ist diese besondere Karte bei mir.

Die ungarischen Truppenteile bekamen 1916 von den Österreichern kein Schreibpapier mehr zugeteilt. Aber wenn ein Ungar seinen Lieben zu Hause etwas mitteilen will, dann findet er immer einen Weg. »Scheiss auf’s österreichische Kaiserreich!« wird sich Joska wahrscheinlich gedacht haben und schnitzte sich aus dünner Birkenrinde selbst eine Karte. Sie hat bis heute gehalten ohne zu zerbrechen.

Tabori-Lap

Die Empfängerin war meine Oma. Besonders nett, hinter ihrem Namen steht ‚kisaszonynak‘ wörtlich übersetzt ‚für die kleine Frau‘. Meine Oma war da noch ein junges Mädchen und das hat ihr sicher sehr gefallen.

In Situationen in denen etwas nicht zu gehen scheint, etwas nicht auf Anhieb klappt, denke ich an die Karte. Es findet sich immer irgendwo ein Stück Birkenrinde, es gibt immer eine Lösung.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Erinnerungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu 100 Jahre 1. Weltkrieg

  1. Matthias Mala schreibt:

    Schad um Deinen Ahnen, er hätt sich auch über ein längeres Leben gefreut.
    Aber so ist das, massakriert wird das Fußvolk, während in der Etappe Champagner getrunken wurde.
    Schön, wie sich die Linien auf der Birkenkarte erhalten haben, geben der Feldpost ein wenig was von einer Lochkarte.
    Servus Matthias

  2. Gabriel schreibt:

    Ganz sicher hätte ihm ein Weiterleben Spass gemacht.
    Er soll eine nette Verlobte gehabt haben die er nach dem Krieg heiraten wollte.
    Und die künstlerische Ader die wir jetzt in den Genen haben, kommt von dieser Seite meiner Familie.
    Eine Zierschrift auf der Feldpostkarte, im Kriegseinsatz, im ärgsten Dreck steckend, aber doch etwas Schönes produzieren.
    Grossonkel Joska war ein Guter!

  3. Wienermaedel schreibt:

    Das ist eine schöne Erinnerung an deinen Jóska bácsi, schade um ihn. Und doch wieder gut, dass du das Künstlergen auch von ihm geerbt hast.
    Liebe Grüsse nach Passau

    • Gabriel schreibt:

      Ja, doch, die gestalterische Ader kommt eindeutig aus der Linie meiner ungarischen Grossmutter. Die väterliche Linie ist mehrheitlich eher grobmotorisch unterwegs. 😉
      Herzliche Grüsse ins Salzkammergut!

Kommentare sind geschlossen.