Peter, der falsche Hase

70 Jahre nach dem Tod eines Autors werden seine Bücher ‚gemeinfrei‘. Das heisst, jeder kann sie nachdrucken und verkaufen ohne dem Urheber oder seinem Rechtsnachfolger Tantiemen zahlen zu müssen.
Aus diesem Grund ist jetzt auch eine nett gemachte und kostengünstige Neuauflage von Beatrix Potters ‚Peter Hase‘ erschienen.
In neuer Übersetzung, wie der Anaconda-Verlag vermerkt.

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Im Original von Beatrix Potter heisst Peter allerdings Rabbit. Und Rabbits sind Kaninchen. Dieser Übersetzungsfehler, der sich seit der deutschen Erstausgabe durch alle Editionen zieht, hat dazu geführt, dass Kinder Hasen mit Kaninchen verwechseln. Denn Frau Potters exzellente Illustrationen zeigen immer Kaninchen die in ihrem Bau unter der Erde leben.
Wenn Peter ein Hase wäre, müsste er im Englischen den Nachnamen ‚Hare‘ tragen und auf freiem Feld zu Hause sein.
Soviel zum Thema neue Übersetzungen. 😉

Die Abenteuer von Peter Kaninchen sind als Kind völlig an mir vorüber gegangen. Schade, weil damals hätte ich sie geliebt und heute kann ich sie nur empfehlen.

Die Potterschen Zeichnungen spiegeln heile Welt, täuschen damit aber über den Inhalt der Geschichten hinweg. Ein Trick bzw. Kniff, den ich sehr gerne mag. In den Stories geht es der Natur entsprechend real zu.
Meister Dachs frisst gerne junge Kaninchen und auch Gärtner McGregor, der seinen Flurschaden durch gefrässige Karnickel-Familien begrenzen will, verarbeitet Peters Vater zu Kaninchen-Pastete.

Peter Rabbit und seine Verwandten müssen also auf der Hut sein. Und so lernt auch das Kind nicht jedem zu vertrauen. Beatrix Potters Kunst ist zeitlos. Genau wie gute Kindergeschichten eben sein sollten.

Natürlich hat mich dann auch noch die Lebensgeschichte von Frau Potter interessiert. Von 1881 bis 1897 hat sie Tagebücher geführt, die lange nicht enträtselt werden konnten, da sie in einem speziellen Code verfasst waren. Frau Potter wollte nicht, dass ihre Journale jemals gelesen werden.
Erst 1958 gelang es ihrem Biographen Leslie Linder die Geheimschrift zu knacken und die Tagebücher zu entschlüsseln.

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Was sich gelohnt hat, denn Frau Potters Aufzeichnungen über sich und ihre viktorianische Umwelt sind eine interessant zu lesende Mixtur.
Messerscharfe Kritiken an Kunst + Gesellschaft wechseln sich munter mit Reisebeschreibungen oder Gartentipps ab. Sie schreibt alles auf was ihr wichtig und witzig erscheint. Fast könnte man sagen Frau Potter hat damit einen Vorläufer der Blogs geschaffen.

Hier ein kleiner Absatz über musizierende Magyaren der mir besonders gut gefallen hat:

«Mr. Edwin Lawrence hatte letzte Woche eine ungarische Kapelle in seinem Haus. Vater sagt, die Musik sei sehr angenehm – es seien vor allem Saiteninstrumente.
Die Ungarn sind wild aussehende Männer mit dichtem Haar, das gerade absteht. Ein Herr, der sie vergangenes Jahr gehabt hatte, erzählte Papa, dass sie sehr schwierig im Umgang seien. Als erstes würden sie um die Erlaubnis bitten, im Hause rauchen zu dürfen. Als man sie darauf ins Speisezimmer schickte, aßen sie fast alle Pfirsiche und Nektarinen.»

Da hat sich seit 1882 nicht viel geändert, oder? Den besten Tabak gibt es übrigens bei Muttern Kaninchen zu kaufen. Natürlich aus Lavendel! 😉

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