Annikas Abenteuer in Wien

Ungefähr die Hälfte der Romane von Eva Ibbotson habe ich noch nicht gelesen, deshalb hier schon wieder eine Empfehlung – ‚Annika und der Stern von Kazan‘.

Die Geschichte spielt in Wien und Deutschland in der Kaiserzeit vor dem ersten Weltkrieg. Dass Eva Ibbotson glückliche Kindertage in Wien gehabt haben muss, merkt man quasi in allen Kapiteln ihrer Geschichte.

Das Buch ist eine einzige Lobeshymne an Wien und Ibbotson nennt sie schon im 2. Kapitel ‚Die goldene Stadt‘. Die Deutschen kommen bei ihren Schilderungen eher nicht so gut weg, was mich amüsiert hat, weil Frau Ibbotson wirklich treffend preussische Arroganz in unterhaltsame Zeilen destilliert.

Ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Teil der Geschichte spielt auch im damaligen Ungarn, wobei die Magyaren viel besser wegkommen, als die Deutschen. Ich mein, die allerbesten Österreicher bzw. Wiener haben eh alle ungarische Wurzeln.
🙂

Ibbotson_Annika

Annika ist ein Findelkind. Sie wird von der Köchin Ellie und ihrer Freundin, dem Hausmädchen Sigrid während einer Wanderung auf den Pettelspitz in einer kleinen Kirche gefunden. Beide schliessen die Kleine sofort ins Herz.

Die Professoren, deren Haushalt Ellie und Sigrid führen, sind zuerst gar nicht begeistert ein Kind im Haus zu haben, aber das legt sich sehr schnell. Die kleine Annika ist einfach zu goldig und so kommen selbst weltfremde Professoren mit dem wahren Leben in Kontakt, denn der aromatische Duft von vollen Windeln lässt sich schlicht nicht parfümieren.

Annika verlebt bis zu ihrem 12. Lebensjahr glückliche Tage. Mit ihren Schulfreunden spielt sie in einem geheimen, verwilderten Garten und begeistert sich für’s kochen in „Mutter“ Ellies Küche.
Eines Tages taucht dann ihre echte Mutter aus Deutschland auf. Einerseits ist die Mutter so, wie sich Annika das immer erträumt hat, eine Gräfin die mit Kutsche vorfährt, aber andererseits scheinen einige Dinge nicht so ganz zu stimmen.
Aber mehr will ich hier nicht verraten. Lest selbst.

Die Geschichte ist spannend komponiert und liest sich wie ein schmackhaftes Kipferl mit Melange. Ganz nebenbei erfährt man auch noch einiges über Wien, was man bisher noch nicht kannte. Zum Beispiel warum bei den berühmten Lipizzanern auch immer ein Brauner, das so genannte ‚kaiserliche Pferd‘ dabei ist.

Eine gute Kurzbiografie zu Eva Ibbotson findet sich hier > unter Hanis Auland Autoren-Lexikon.

Übrigens muss auch Eva Ibbotsons Mutter Anna Wilhelmine Gmeyner (verh. Wiesner, später Morduch, Pseudonym Anna Reiner) eine gute Autorin gewesen sein. Aber von ihr habe ich noch nichts gelesen.

Fazit – Gute Bücher ziehen eben weitere gute Bücher nach sich.
😉

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5 Antworten zu Annikas Abenteuer in Wien

  1. Lemmie schreibt:

    Steht schon auf meiner will-lesen-Liste.
    Lieben Gruß
    Lemmie

  2. Hannelore schreibt:

    Auf meiner auch, herzliche Grüße Hannelore

  3. kelly schreibt:

    trotz stubenarrest hab ich noch immer einen bücherstapel, einen ungelesenen. etwas unverdaulich ist *1913*, mehr arbeit als genuss da mir die vorbildung fehlt, germanistik oder psychologie hätte ich einige semester haben müssen.
    bei deinen diskreten anspielungen auf die preussen fühle ich mich als weltbürgerin nicht angesprochen :).
    lieber gabriel, die ibbotson hab ich gern gelesen und verkauft ;).

  4. werner schreibt:

    Muss ja ein richtig gutes Buch sein und freut mich wenn da die Magyaren besser wegkommen als die Deutschen, hoff nur Du bekommst da keinen Gewissenskonflikt 😉
    Werd da mal beim nächsten Thalia Besuch rein schmökern 😉
    Gruß
    Werner

    • Gabriel schreibt:

      Thalia ist aber eine deutsche Buchhandelskette.
      Wenn du Österreich unterstützen willst, musst zum Morawa!

      🙂 So ist das mit den hinternationalen Gewissenskonflikten.

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