„Neger“ – ja oder nein?

Zur Zeit läuft in Deutschland wieder die Diskussion ob Worte wie „Neger“ in den Kinderbuch-Klassikern u. a. von Ottfried Preußler, Erich Kästner oder Astrid Lindgren belassen werden können, oder ob sie ausgetauscht und der allgegenwärtigen politischen Korrektheit angepasst werden.

Im Fall von Preußlers ‚Kleine Hexe‘ soll das nun, mit Zustimmung von Preußler und seiner Kinder geschehen, bei Erich Kästners Neuauflage von ‚Der kleine Mann‘ ist der Original-Text mit einem entsprechenden Hinweis belassen worden.
Bereits 2009 wurde aus Pippi Langstrumpfs Vater, dem „Negerkönig von Taka-Tuka-Land“ ein simpler „Südseekönig“.

Ich muss sagen, dass ich die Veränderung von alten Texten nicht gut finde. Wenn ich einem Kind so einen Text vorlese, dann erkläre ich ihm was er bedeutet, woher er kommt und dass er heute nicht mehr verwendet wird. Die Eltern bzw. Erwachsenen sind gefragt. Das betrifft aber nicht nur „Neger“.

Ein Kind soll lernen, dass Texte und Geschichten immer auch aus ihren zeittypischen Kontext heraus betrachtet werden sollten.
In meiner Kindheit Anfang der 60er Jahre habe ich den Begriff „Neger“ nie als negativ empfunden, gab es doch die süssen Negerküsse und der Sarotti-Mohr war ebenfalls ein guter Freund von mir.
🙂

Diese Diskussionen sind nichts neues. Sie finden schon seit Jahren in der Kinderbuchbranche statt. Vor ungefähr 15 Jahren hatte ich einen Illustrationsjob für ein Buch mit Kinderspielen. Dazu hatte ich diese bunt gemischte Kinderbande entworfen. Darunter auch Xaver und Billy, meinen Spielkameraden aus dem Kindergarten nachempfunden. Billys Eltern waren schwarze US-Amerikaner die bei der Army arbeiteten.

Kinderbande_Gabriel-Nemeth

Nur, Billy ist dann nie in meinen Illustrationen aufgetaucht. Die zuständige Lektorin wollte jedem möglichen Ärger aus dem Weg gehen und Billy musste ein Weisser werden. Hier schlägt der vorauseilende Gehorsam, die Zensur-Schere im Kopf ins Gegenteil um. Die allgegenwärtige politische Korrektheit ist m.M.n. in weiten Teilen kontraproduktiv.

Mit meinem Kindergarten-Freund Billy verbindet mich übrigens ein besonderes Erlebnis. Auf Ungarisch ist ‚Bili‘ das Kosewort für’s Kindertöpfchen bzw. dem Nachttopf. Auf meine unbedarfte Frage warum er mit dem Vornamen ‚Nachttopf‘ heisst, haute mir Billy erstmal eine rein. So was verbindet. Meine Mutter hat mich dann lachend über ‚Bili‘ und ‚Billy‘ aufgeklärt. Von da an wusste ich, das Sprache etwas sehr heikles ist.

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9 Antworten zu „Neger“ – ja oder nein?

  1. Sigi schreibt:

    Lieber Gabriel,
    genau so, dem ist nichts hinzuzufügen.
    Das Wort Neger war in unserer Kindheit nicht negativ und nicht abwertenden besetzt, warum es also nicht der Zeit entsprechend so belassen und, wie Du richtig sagst, es im Bedarfsfall zu erklären.
    Ich finde diesen vorauseilenden Gehorsam unredlich.
    Schönen Tag und liebe Grüße stromauf
    Sigi

  2. Lemmie schreibt:

    Lieber Gabriel!
    Ob das Wort „Neger“ ein Schimpfwort oder eine Verunglimpfung ist, spielt sich im Kopf ab. Wer Toleranz nicht nur vorbetet sondern auch lebt, für den ergeben solche neuerdings negativen Worte keinen Sinn. Ich gehe gerne zum Chinesen essen. Darf man das überhaupt noch sagen, oder ist Chinese auch schon zum Schimpfwort degradiert?
    Wenn man jemanden einen „faulen Hund“ nennt, darf man dann von Hunden gebissen werden, weil diese sich verunglimpft vorkommen?
    Und mit dem vorauseilenden Gehorsam: Damit haben wir Frauen schon ewig zu kämpfen. Aber das gibt es ja in vielen Dingen. Und nur durch Auflehnung dagegen kann es Änderungen (zum Guten) geben.
    Die Art von politischer Korrektheit bringt unser Land derzeit soweit, dass wir uns an die Traditionen der zugezogenen Bürger exotischer Länder anpassen und unsere Eigenständigkeit beinahe schon aufgeben.
    Lieben Gruß
    Lemmie

    • Gabriel schreibt:

      Liebe Lemmie –
      über deinen Nachsatz muss ich jetzt schmunzeln. Grade ihr Wiener seid doch schon historisch Weltmeister im übernehmen von „exotischem“. Euer heiliges Wiener Schnitzel kommt ursprünglich aus Mailand! Und 50% des Wiener Heurigen den ihr so gerne an die Touristen verkauft, kommt doch (samma ehrlich) aus Ungarn!
      🙂
      Na ja und „eure“ Kaiserin ist aus Bayern zugezogen. Unsere emanzipierte Sissi hat mit ihren exotischen Ansichten euren verknöcherten Kaiser-Laden und seinem spanischen Hofzeremoniell auch ordentlich durcheinander gewirbelt. Soviel zur Wiener bzw. österreichischen Eigenständigkeit. Und den Bayern bei uns geht es ja auch nicht anders. Warum gibt es in Bayern z. B. soviele Menschen mit dunklen Haaren? Na, die alten Römer haben hier eben auch ordentlich ihre Spuren hinterlassen, dass es nur so geschnalzt hat. Bis heute.
      😉
      In diesem Sinne traditionell herzliche Grüsse,
      G.

      • Lemmie schreibt:

        Solche Vermischungen sind ja bereichernd. Aber ich möchte auch weiter unser Weihnachtsfest feiern, den Nikolaus begrüßen und den Osterhasen die Eier verstecken lassen. Deutschland, Ungarn, Slowakei, Tschechien, Italien … sind ja keine exotischen Länder. Sie sind in ihrem Alltag uns doch sehr ähnlich.
        Aber ich wünsche mir, dass unser jüngster Enkel nicht der einzige Österreicher in seiner Klasse (2. Klasse Volksschule) bleibt.

        • Gabriel schreibt:

          Na ja, verstehen tue ich das nicht ganz, weil die grösste Zuwanderungsgruppe in Österreich sind die Deutschen, danach erst Serben und Türken.
          Siehe ‚Die Presse‘ Statistik-Grafik unter

          Genau wie Deutschland sind auch Österreich und die Schweiz Zuwanderungsländer. Wir müssen eben gemeinsam miteinander leben. Seit es uns Menschen gibt, wandern wir hin und her, weil ursprünglich kamen wir ja alle aus Afrika. Ist halt so.

  3. Geier schreibt:

    Da fällt mir auch eine Anekdote zu ein 🙂 Als ich mal eine Freundin meiner Mutter vorstellte rutschte der ein „Ach du bist also das Negerle“ raus – was sie überhaupt nicht negativ meinte ihr aber sofort peinlich war. Und das Mädel meinte es wäre OK, es kommt drauf an wer+wie man es sagt, und selber hat sie Schwarze oft genug auch als Neger bezeichnet.
    Bei dieser political correctness werden ja nicht nur solche Wörter ausgetauscht/gestrichen, erst kürzlich habe ich die Neuauflage eines Romans gelesen in dem dem Held fast alle Zigaretten gestrichen wiurden – die Frage ist doch, wo soll das Enden? Statt Steaks nur gesunde Rohkost, Die Frauen dürfen nicht mehr sexy sein etc …

    • Gabriel schreibt:

      Werter Geier –
      genau so ist es. Irgendwann ist alles bis zur Unkenntlichkeit begradigt.
      Und das Rohkost gesund sein soll, ist sowieso ein Gerücht.

  4. werner schreibt:

    Grüß Dich Gabriel 🙂
    Also, das Wort Neger ist auch heute meiner Ansicht nix schlechtes.
    Aber in den letzten Jahren haben gewisse Leut anscheinend nix anderes zu tun um solche Sachen zu bekriteln. Ist ja nicht ein Einzelfall!
    Gruß
    Werner

  5. Matthias Mala schreibt:

    Oiso wannsd an andan schuahriagln konnst, nacha bisd ollawei da bessare, und um dös gehds de Leid zam, di dia song a Nega is koa Nega und a koa Schwaza sondan a stoak pigmentiats Mandal oda Weibal. Wei Mensch deafst bei uns glei goa ned song, wei a Mensch (das Mensch) is hia z Land a rechds Lausdean. Und domit dads an jedn Nega injurieren.
    Und ich kaufe mir nie Dickmanns Schaumküsse sondern allerweil Mohrenköpf, auch wenn das nirgendwo auf der Verpackung steht.
    Pfüa God

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