BATMAN + CATWOMAN – Die frühen Jahre

Zur Zeit tourt eine Show unter dem Titel BATMAN LIVE durch Europa. Über die Qualität der dortigen Darbietungen kann ich nichts sagen, weil nicht gesehen, aber einen kleinen Ausflug zu den Wurzeln der Serie habe ich hier noch auf der Platte rumliegen. Ursprünglich war das Material für einen ausführlicheren Artikel in einem Comic-Fachmagazin vorgesehen, der dort allerdings nie erschienen ist. Deshalb also hier in Kurzform.

Als ich noch ein kleiner Batman-Leser war, hielt mein Vater, typischer Praktiker der Schneidermeister-Zunft meinen Batman für Quatsch. Nicht weil er keine Comics gemocht hätte, sondern weil er Batmans Cape völlig unrealistisch fand. Übrigens auch das Cape von Zorro und ähnlichen Flattermännern. Er meinte, die verheddern sich mit ihren Lappen doch ständig irgendwo und strangulieren sich damit. Ergo alles Blödsinn. Mir war das als Kind völlig schnurz, Hauptsache die Abenteuer waren möglichst verrückt.

Hier zu sehen BOB KANE der Erfinder von Batman und Catwoman. Manche Hardcore-Fans behaupten Bob Kane wäre der grösste Ideen-Dieb der Comic-Branche gewesen, aber wo kein Kläger, da kein Richter. Ausserdem ist Bob Kane seinerseits „beklaut“ worden. Dazu am Schluss mehr.

DETECTIVE COMICS #122 / April 1947 – war ein historischer Moment in der Geschichte der DC-Hefte – CATWOMAN war die erste Heldin der Serie, die es auf die Titelseite schaffte.
Fast genau 10 Jahre nach der Erstausgabe von Detective Comics.
Vorher war keine Heldin, weder gut noch böse, zusammen mit Batman + Robin auf den Covern abgebildet worden. Dafür kriegt Robin dann auch gleich eine (feministische?) Watschn mit der Kralle.

DC #241 / März 1957
Der Regenbogen-Batman muss in der Nacht ein rosa Kostüm tragen.
Dieses Cover dürfte seit Jahren der wohl meist verbreitetste Scherz bezüglich Batman + Robin im Internet sein. Auf Deutsch ist die Story (meines Wissens) nie erschienen.

DC #247 / September 1957
Batman hat die Nase von seinem Job in der Verbrechensbekämpfung endgültig voll. Er will sein Kostüm nie wieder anziehen.
Aber warum gleich einschüren? Heizmaterial-Knappheit in den 50ern?
Zum Glück verbrennt er es dann doch nicht. Wär ja auch schad drum, gell.

DC #275 / Januar 1960
Batman wird zur Bedrohung für Gotham-City – als Zebra-Batman!
War das damals eher ein Fall für die Hautklinik oder das Arkham – Asylum?
Egal – denn wie immer übersteht Batman auch diese Krise seiner Schaffenskraft ohne dauerhaften Hautschaden und am Ende ist die Welt in Gotham-City wieder so verrückt wie sie vorher war.

DC #322 / Dezember 1963
Batman als Gefangener der Larko-Wunderlampe und damit willenloses Werkzeug von miesen Schurken.
Er mutiert zum bizarren Batman-Genie. Demnach muss Batsie vorher kein Genie gewesen sein? Da können nur noch Bat-Girl und Robin helfen. Am Schluss ist Batman natürlich wieder ganz der alte, also mit Willen und ohne Genie … oder so irgendwie.
😉

DC #326 / April 1964 und DC #327 / Mai 1964 – der grosse Umbruch.
In Heft #326 sind Batman und Robin noch Gefangene in einem ausserirdischen Zoo, einen Monat später ist leider Schluss mit lustig.
Die Ausgabe #327 erscheint mit neuem Detective-Comics-Logo, der Inhalt wird ebenfalls einem New Look unterzogen.

Hier liegt der Ursprung des düsteren Batman und späteren Dark Knight.
Als die ersten Storys des „realistischen“ Batman auf Deutsch erschienen, fand ich sie nicht mehr lustig, sondern wirklich nur noch albern. Ich wechselte in der Lektüre endgültig zu SPIDER-MAN, der seit jeher Stress mit den Mädels aber immer freche Sprüche drauf hatte.

Zurück zu den Ursprüngen von CATWOMAN. Im April 1940 erscheint zusätzlich zu den Detective Comics eine eigene Reihe mit BATMAN. In Heft #1 (Spring Issue) der BATMAN-Comics taucht Catwoman das erste mal in einer Story auf. Selina Kayle ist dort eine Schurkin mit dem Spitznamen THE CAT.
Und weil sie böse ist und nicht folgen mag, droht ihr „Papa“ Batman „Popohiebe“ an. 1940 war sowas noch möglich. Ähäm.
🙂

Bei ihrem zweiten Auftritt in BATMAN Heft #3 / Oktober 1940 (Fall Issue) trägt THE CAT das erste Mal eine Katzenmaske und wird als CATWOMAN etabliert.
Die gute Selina sieht damit zwar noch ein bisschen wie Miezekatz Schnurrli aus, aber Batman küsst sie in dieser Geschichte trotzdem! Sie ist ja zu herzig. Und damit vollzieht Batman auch die Entwicklung von uns kleinen Buben nach, die wir uns einst fragten, ob wir die Mädels lieber weiter an den Zöpfen ziehen und hauen oder doch besser küssen sollten?! Letzteres hat sich dann doch als irgendwie geschickter herausgestellt.

In BATMAN-Heft #35 (April 1946) trägt Catwoman erstmals das Kostüm, das lange Jahre (in diversen Variationen) ihr Standart-Outfit werden sollte. Titel der Story: „Nine Lives Has the Catwoman“. Wie wir mittlerweile wissen, hatte Catwoman viel mehr als 9 Leben.
Die hier abgebildete Seite ist übrigens ein Nachdruck derselben Geschichte aus dem Heft LOIS LANE #123. Das erkennt man daran, dass unten der Balken „Next issue on sale (…)“ steht. Ansonsten ist zur Origin-Story aus BATMAN #35 kein Unterschied. Das nur als kleiner Einschub für die Sammler die hier möglicherweise mitlesen.

Auf einen Blick – Catwomans Kostüme von den Anfängen bis heute.

Auch der sonst auf deutsche Comics wie ‚SIGURD‘ + Co. spezialisierte Norbert Hethke – Verlag erlag 1992 dem Charme der Katzenfrau.
Allerdings ließ Hethke dazu vom deutschen Zeichner Swen Papenbrock neue Titelbilder zeichnen, auf denen Catwoman anatomisch eher männlich daherkommt. Warum Norbert Hethke das so in Auftrag gab, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht wollte er Wirbel mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften vermeiden. Aber das ist nur eine Vermutung.

Der Fledermausmann ist immer für eine Satire gut. BATSMAN – Parodie aus der Batman-Schwarz-Weiß-Collection Nr. 1 von Panini, gezeichnet von Marie Severin und getextet von Ty Templeton. Letzterer war auch federführend in den zahlreichen Batman-Animated-Series Heften, die humormässig wieder an die Frühzeit der Batman-Geschichten anknüpfen. Zum vergrösserten lesen einfach anklicken …

CATWOMAN 1993 in ihrer eigenen Reihe, gezeichnet von Jim Balent.
Für manche die erotischste Version von Catwoman.

Viele werden jetzt vielleicht sagen, typische Ausgeburten männlicher Phantasie, diese seltsamen Heldinnen. Mitnichten (und mit Tanten).

1941, also ein Jahr nach dem ersten Erscheinen von CATWOMAN textete und zeichnete TARPÉ (JUNE) MILLS eine Serie namens BLACK Fury bzw. später MISS FURY. Sie war damit die erste Frau, die eine Superheldinnen-Serie in den USA auf den Markt brachte.
MISS FURY lief als Serie bis 1949. Hier ein kleiner Tuben-Einblick zu MISS FURY, die CATWOMAN sehr ähnlich ist. Es wurde also auch von Bob Kane „geklaut“.

Im Juni 2011 brachte die Feministin + Comic-Zeichnerin Trina Robbins einen Band mit MISS FURY – Strips heraus, der die Folgen aus den Jahren 1944 bis 1949 versammelt.

Tja, so war das damals mit dem Fledermausmann und seiner kratzbürstigen Schnurrli. Fast wie im richtigen Leben, oder?
😉

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “BATMAN + CATWOMAN – Die frühen Jahre

  1. Es war sehr interessant zu lesen.
    In jungen Jahren habe ich Batman leider nie zu lesen bekommen. Da waren eher Sigurd, Tarzan und … fällt mir jetzt nicht ein … bei meinen Schulfreundinnen zu haben.
    Lieben Gruß
    Lemmie
    Gab es auch Kim? Weiß nicht mehr, ist schon eine Ewigkeit her.

    • Der Bursche hiess AKIM und astete im Dschungel von Hüpf zu Hüpf. Mit seiner Freundin RITA hatte er auch ständig Stress. Ursprünglich stammte die Serie aus Italien, wurde dann aber zeitweilig mit dem deutschen Zeichner + Texter Hansrudi Wäscher fortgesetzt. Details findest zu im Netz.
      Lang ist’s her.

      Herzliche Grüsse!

  2. Ein interessanter Rückblick, so wie bei Poldi ist Batman leider an mir vorbeigegangen, sehr gut erinnere ich mich an Sigurd und Akim, wenn ich die Heftln von den Buben ergatterte. Waren das nicht sehr kleine längliche Formate?

    • Genau, kleine längliche Formate, sogenannte Piccolo-Heftchen.
      Ich hab das mal in einer Parodie gezeichnet – zum vergrössern anklicken!
      😉